Lasst uns reden über Klassiker

31. August 2016


Den ganzen August über haben wir (aka 24 Buchblogger) nun über verschiedene Klassiker berichtet. Aber: Was ist überhaupt ein Klassiker?

Für euch habe ich auch mal ein richtiges Lexikon rausgeholt und zwar das "Moderne Jugendlexikon in Farbe" (von '74 und aus dem Bücherregal meiner Eltern :)):
"[lat.] m, Mz.,
1. im alten Rom die Bürger mit dem höchsten Einkommen
2. ein an der grch.-röm. Klassik orientierter Künstler
3. wegen seiner Höchstleistungen anerkannter Schriftsteller oder Dichter"

Wikipedia hat sogar einen ganzen Artikel darüber, stimmt aber generell mit Google und dem Lexikon überein: Im engeren Sinne ist alles aus der „Deutschen Klassik“ sowie die Werke der alten Griechen und Römer ein Klassiker. Im weiteren Sinne dagegen ist alles, das als ein perfektes Beispiel für ein bestimmtes Genre gilt, ein Klassiker. Viele Schüler würden wahrscheinlich auch der Definiton „Alles womit mich mein Deutschlehrer quält“ zustimmen ;)


Wie ihr sicher mitbekommen habt: Bei der Aktion „Wir stopfen das Sommerloch mit Klassikern“ haben wir uns eher an der weiteren Definition orientiert.
Übrigens: Das älteste vorgestellte Buch war „Romeo und Julia“ von William Shakespeare (veröffentlicht 1597). Und das aktuellste war N. H. Kleinbaums Roman „Der Club der toten Dichter“ von 1989. Die große Mehrheit der vorgestellten Klassiker ist allerdings in den letzten 200 bis 300 Jahren erschienen.

Für 26 unserer Sommerlochklassiker habe ich in einer Umfrage mal genauer nachgefragt. Wie viele Menschen kennen die einzelnen Bücher? Und wie viele der Bücher sind nicht nur bekannt sondern wurden auch gelesen?
Warum nur 26? Weil die Umfrage über Typeform lief. Typeform ist toll, weil es auf allen Arten von Geräten funktioniert und auch am Handy noch gut lesbar ist.  Leider hat es eine Höchstgrenze von 26 Antwortmöglichkeiten pro Frage. Also habe ich versucht eine möglichst repräsentative Auswahl zu treffen. Ob das funktioniert hat? Ich weiß es nicht, aber ich habe es versucht. (Sogar Goethe ist dabei! Obwohl ich in meiner Schulzeit ihm gegenüber einen ausgeprägten Hass entwickelt habe!)
Erstmal der langweilige Teil der Auswertung:

Es haben 30 Menschen an der Umfrage teilgenommen. Im Durchschnitt kannte jeder Teilnehmer 18,5 der 26 Bücher. Gelesen hat besagter Durchschnittsteilnehmer aber nur 5,8. Immerhin, oder? Vor allem dafür, dass die Liste sicher nicht nur aus den wirklich bekannten Klassikern bestand.

 Ich habe mal die Top 6 für beide Fragen in ein Diagramm verpackt. (x-Achse sind die Anzahl der Umfrage-Teilnehmer die das Buch kannten/gelesen haben) Alle wären zu unübersichtlich, aber wer möchte kann gerne die Rohdaten haben von mir.
Also erst einmal die Top 6 der gelesenen Klassiker.

Mich hat am meisten überrascht, wie viele Leute Romeo und Julia nicht nur kannten (aka alle) sondern auch gelesen hatten.
Außerdem ist die Auswahl beim Lesen viel verteilter, ich hätte gedacht da ein oder zwei Klassiker an der Spitze zu haben. Ist aber, wie man sieht, eher eine Spitzengruppe.

Und hier sind die Top 6 der bekannten Klassiker. Fällt euch was auf?

Ja, richtig gesehen. Es sind quasi die gleichen 6 Bücher. Nur das sich bei „Die Physiker“ der Status als Schullektüre bemerkbar macht (vermute ich mal).

Und in der Schule? Werden da noch Klassiker gelesen?

Sehr zu meiner Verblüffung scheint es tatsächlich Schulen zu geben an denen keine Klassiker gelesen werden. Auf jeden Fall haben 4 Teilnehmer auf die Frage mit „Nein“ geantwortet. Wahrscheinlicher ist mMn aber, dass die Frage falsch wurde oder überlesen. Da ich das Alter nicht nachgefragt habe, kann es natürlich auch sein, dass die Betreffenden noch keine Klassiker gelesen haben.
Andererseits: Wir haben in der 8. Klasse die ersten „richtigen“ Klassiker gelesen. Aber gut, gab ja auch Leute, die Pippi Langstrumpf, den Herrn der Ringe oder Sherlock Holmes nicht kannten. Andere Lebensrealität.

Etwa 30% fanden die Analysen zu den Klassikern in der Schule gut und bei fast allen davon war der Grund ein guter Lehrer. Der Gründe für das Gegenteil dagegen sind wesentlich vielfältiger. Einmal würde natürlich geantwortet, dass „Müssen“ selten Spaß macht, aber auch das alternative Interpretationen nicht gewünscht waren oder sich nicht genug mit dem Umfeld des Buches beschäftigt wurde. Ebenfalls häufig bemängelt: Zu viel Analyse.
Das sieht so schwarz auf weiß nicht gut aus, liebe Sprachlehrer.

Also: Ist das lesen und analysieren von Klassikern in der Schule überhaupt sinnvoll? Die meisten scheinen ja eher schlechte Erinnerungen daran zu haben…
Ich persönlich fand eine Idee meiner Deutschlehrerin an der Realschule sehr gut: Die hat in unserem Klassenraum einen Schrank eingerichtet, mit Büchern, die man ihrer Meinung nach kennen sollte. Und jeder musste im Halbjahr mindestens eines dieser Bücher gelesen und dazu eine kurze Buchvorstellung geschrieben haben. Aber welches, das war egal. So hatte man wenigstens noch etwas Wahlfreiheit und konnte sich auch ein Buch aussuchen, das zu den eigenen Lesevorlieben passte. So halbwegs. Ich hatte das Pech als eine der Letzten sich ein Buch aussuchen zu dürfen.  Und habe es dann mit Karl May versucht…

Und was ist der Lieblingsklassiker? 

Tja. Das ist schwierig. Auf die Frage gab es etwa 60 verschiedene Antworten und keine wurde mehr als 4 Mal genannt. Ist das schon eine statistisch relevante Häufung? Ohne es durchgerechnet zu haben: Eher nicht.
Wen es trotzdem interessiert, hier einmal alle mehr als einmal Genannten:
Buch Anzahl Nennungen
Macbeth 4
Herr der Ring 3
Nathan der Weise 3
Sturmhöhe 3
Das Bildnis des Dorian Gray 3
Die Physiker 2
Jane Eyre 2
Madame Bovary 2
Oliver Twist 2
Alice im Wunderland 2
Stolz und Vorurteil 2

Meine Lieblingsklassiker sind übrigens „Daddy long-legs“ von Jean Webster, „Der Herr der Ringe“ von J.R.R.Tolkien und fast alles von Jane Austen.
Und am meisten hassen tue ich wohl Goethe. Oder E.T.A. Hoffman (Kleiner Tipp: „Der Sandmann“ ist nichts was man mal eben vorm Schlafen gehen lesen sollte…)

Und ihr so? Was sind eure Lieblingsklassiker? Habt ihr „Wir stopfen das Sommerloch mit Klassikern“ verfolgt? Wie fandet ihr die Aktion und unsere Auswahl? Und wie steht ihr zu Klassikern in der Schule?
Ich freue mich auf eure Kommentare!

Kommentare:

  1. Ich liebe Statistiken, deshalb erst mal danke für die Umfrage!
    Interessant ist wirklich, dass das meiste nicht von allen gekannt wurde. Bei einigen ist das klar, die kannte ich auch nicht alle, aber Sherlock Holmes? Pipi Langstrumpf? Wie kann das denn an einem vorbeigehen? Und dass Goethe genauso bekannt ist? Sehr spannend auf jeden Fall. :D
    Ich fand die Aktion super! Ich habe sowieso vor, die wichtigsten Klassiker mal zu lesen und das hat mir etwas Inspiration gebracht. Ich habe überall zumindest mal überflogen, weil ich oft gar nicht zu genau wissen möchte, worum es geht. In der Schule finde ich, dass die Schüler vielleicht soweit möglich ein bisschen Mitbestimmungsrecht haben sollten, damit sie wenigstens halbwegs interessiert sind. Dadurch, dass es Pflicht ist, hatte bei mir nämlich praktisch niemand Lust, selbst wenn man privat sehr gerne gelesen hat (aka ich) :D

    Liebe Grüße!

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    1. Huhu,
      danke für deinen Kommentar.

      Ja, bei uns im Kurs kam ein Großteil der Abneigung damals auch eher vom "Müssen" als vom Buch selbst. Wobei: So Sachen wie "Das Muschelessen" hätte ich auch dann schrecklich gefunden, hätte ich es freiwillig gelesen.

      Liebe Grüße,
      Lena

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    2. Darüber habe ich auch wirklich gruselige Dinge gehört, ich bin schon froh, dass ich das nicht lesen musste und bezweifle auch, dass ich das jemals machen werde :D

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    3. Die Satzendzeichen in dem Buch kannst du an einer Hand abzählen. Schlimm. Mal ganz abgesehen von der mMn non-existenten Handlung. Nee, das war ganz sicher nicht "mein" Buch.

      Alles Liebe,
      Lena

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  2. Guten Morgen!

    Ich fand die Blogtour klasse! Ich lese selber ja (leider) sehr selten Klassiker, aber ihr habt mir einige in Erinnerung gerufen, die ich doch mal lesen sollte ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Moin!

      Bei mir sind durch die Blogtour auch jede Menge Bücher auf der Lesen-Liste gelandet. Auch wenn es wahrscheinlich noch dauert, bis ich sie wirklich lesen werde :)

      Liebe Grüße,
      Lena

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  3. Hallo liebe Lena,
    ich fand deine Zusammenfassung sehr interessant, zumal ich selbst an deiner Umfrage teilgenommen habe und neugierig war, was nun dabei rausgekommen ist. Danke für die Mühe! :)

    Meinen ersten Klassiker, "Der Richter und sein Henker" habe ich in der 8. Klasse gelesen. Darauf folgten "Die Physiker" und meine absolute Hasslektüre "Homo Faber". Shakespeare haben wir auf Englisch gelesen und Klassiker wie "Don Quijote" auf Spanisch. Das waren drei Fächer, in denen es um Analysen und Interpretationen ging und nachdem unser Deutschlehrer partout nur die Antworten gelten ließ, die in seinem schlauen Büchlein standen, hatte ich relativ fix gar keine Lust mehr. Nicht auf Deutsch, nicht auf Englisch und nicht auf Spanisch.

    Mein Deutschlehrer in der Oberstufe war da etwas flexibler und ermutigte uns gerne, auch unsere Privatlektüren vorzustellen und in Form von Referaten näher darauf einzugehen. Dadurch gelang es ihm auch, uns den Spaß am Lesen wiederzugeben und auch das vorher doch sehr eintönige Rumanalysieren wurde spannend.

    Heute lese ich sehr selten Klassiker. Irgendwie haben sie einfach einen bitteren Beigeschmack für mich. Sturmhöhe, Jane Eyre, Oliver Twist, Der Kleine Prinz oder auch Anna Karenina stehen aber dennoch in meinem Regal und werden geliebt. Allerdings auch erst, seitdem ich mich mit viel Schulabstand diesen Lektüren widmen konnte. Trotz meiner teils sehr negativen Erinnerungen an die Schulklassikerzeit finde ich es wichtig, dass sie im Unterricht besprochen werden. Sie sind wertvoll und gehören zur Allgemeinbildung dazu. Allerdings finde ich, dass der Unterricht trotz Klassiker modern sein und auch mal zu aktuellerer Lektüre gegriffen werden sollte, um auch von Seiten der Schule Interesse an den Schülern zu zeigen.

    Ganz liebe Grüße und hab noch ein schönes Restwochenende
    Maike

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    1. Liebe Maike,

      danke für einen tolle Kommentar! Hast du schön gesagt :)

      Ich habe Homo Faber auch gehasst, irgendwie habe ich nie den Zugang dazu gefunden...

      Liebe Grüße,
      Lena

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  4. Ich liebe die Viktorianischen Klassiker: Die Bronte-Schwestern, Jane Austen, Thomas Hardy und Elisabeth Gaskell. In manchen Momenten muss es sogar Charles Dickens sein.
    Ach, es gibt so viele wundervolle Bücher aus dieser Zeit.
    Außerdem liebe ich sehr die Werke aus der Lost Generation: Fitzgerald und Hemingway!

    Liebe Grüße
    Mareike

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    1. Hallo Mareike,

      ach, Jane Austen. Ich liebe ihre Bücher!
      Von Fitzgerald und Hemingway habe ich noch nichts gelesen, allerdings stehen sie auf der Liste :)

      Liebe Grüße,
      Lena

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