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Vermählung - Rezension

Dürfen Bücher rassistisch sein?



"Nigra bint lookin' for a government check, more like"
 (Eher eine Nigger Schlampe, die einen Scheck von der Regierung möchte)
"Must want to be raped by some of them Japs, yeah, that's what she wants"
(Will wohl von einigen von den Japanern vergewaltigt werden, ja, das ist es was sie möchte)

Das sind nur zwei Sätze aus Front Lines. Front Lines ist aber kein (mehr oder weniger) würdevoll gealterter Klassiker. Nein, Front Lines ist erst Anfang dieses Jahres erschienen. Seit ich es gelesen habe stelle ich mir immer wieder eine Frage: Dürfen Bücher rassistisch sein?

Darf ein Autor solche Sachen schreiben? Im vollen Bewusstsein, dass es keine besonderes netten Sachen sind, die sein/ihr Charakter da sagt?

Ja, Michael Grant, der Autor von Front Lines, möchte mit solchen Sätzen bewusst provozieren. Das Buch spielt zwar in einem Paralleluniversum, aber auch dieses Paralleluniversum ist während 2. Weltkriegs durchgehend rassistisch und sexistisch. Und aus gutem Grund, denn es geht ja (auch) darum, dass Vorurteile eben nichts mehr sind als Vorurteile.

Aber die Frage bleibt:

Darf man das?

In Deutschland werden Begriffe wie Neger aus Kinderbüchern gestrichen, in den USA stehen Bücher, die rassistische Ausdrücke benutzen regelmäßig auf Listen mit verbotenen Büchern... Schließlich sind wir alle gleich viel wert und das sollte sich auch in Büchern widerspiegeln.

Auf der anderen Seite steht der durchaus berechtigte Vorwurf, dass grade Jugendbücher zu politisch korrekt sind (Übrigens: Scrupulous Semicolons ist ja wohl mal ein toller Name!). Vielfalt als Verkaufsargument.

Eigentlich bin ich der Meinung, dass man alte Bücher bitte so lassen sollte, wie sie geschrieben wurden und neue Bücher gerne massig Vielfalt und Toleranz zeigen dürfen bzw sogar sollten. In einen Buch des 21 Jahrhunderts haben Sätze, wie die oben für mich nichts zu suchen. Dachte ich. Denn irgendwie ist Front Lines grade deswegen so ein starkes Buch.

Es stellt mein Weltbild auf den Kopf und verlangt von mir das neue Weltbild ohne Fragen zu akzeptieren. Denn die Charaktere kämpfen nicht gegen solche Beleidigungen. Rio und Jenou sind in Front Lines ziemlich geschockt sind keinen einfachen, weiblicheren Job zu bekommen sondern zu einem kämpfenden Regiment geschickt zu werden. Sie sehen sich zwar nicht unbedingt als weniger stark und wichtig an als Männer, aber kämpfen ist dann ihrer Meinung nach doch eher ein Männerjob. Und Frangie (an die die beiden Sprüche von oben gerichtet sind) ist zwar nicht begeistert vom Rassimus ihr gegenüber, aber sie kämpft auch nicht dagegen. Es ist einfach so.

Was meinst du? Kennst du vielleicht sogar Front Lines? Oder hast ein anderes Buch gelesen, dass eben nicht politisch korrekt war und grade deswegen gut?

Lasst uns darüber diskutieren!

Kommentare

  1. Hallo!
    Ich war jetzt erstmal schokciert Michael Grants Namen hier zu lesen (in diesem Zusammenhang. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe, dass er inzwischen noch weitere Bücher geschrieben hat als die Gone-Reihe (an der ich immer noch lese). Das musste ich erstmal kurz recherchieren. Bücher sind ja Kunst, also schreiben an sich zumindest und Kunst darf alles. Im Prinzip darf Kunst auch nicht politisch korrekt sein, ABER es kommt immer auf den Zusammenhang an. Wenn einer ein Buch schreibt indem er andere Völker beschimpft und das ist nicht relevant für die Geschichte, dann ist das Rassismus. Schreibt jemand eine Biografie über eine Person mit rassistischem Denken, dann ist das eine Tatsache und beschreibt die Person und ihre Sichtweise. Es spiegelt nicht zwangsläufig die Sichtweise des Autors, ergo kein Rassismus. In Front Lines gehören solche Sätze dazu um den Zeitgeist etc. zu verdeutlichen. Ohne das würde Michael Grant die historischen Begebenheiten nicht realistisch verdeutlichen. In alten Bücher, wie du schon angemerkt hast, kann man es ja auch nicht rausstreichen, es gehört zum Zeitgeist. (Siehe Filme wie Schindlers Liste.). Sicher kann man das kontrovers diskutieren, aber meienr Meinung nach darf auch eine Geschichte heute so sein wie Front Lines, unter bereits geschriebenem Aspekt. Ich sehe da kein Problem.
    Harry Potter featured auch Rassismus - Stichwort Schlammblut. Keiner regt sich darüber auf. Denn es gehört zum Zeitgeist.)

    Viele Grüße
    Twineety

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    1. Sorry für die vielen Tippfehler O.o

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    2. Huhu,

      ich muss sagen, dass es bei Harry Potter lange nicht so schlimm ist. Aus dem einfachen Grund, weil die Hauptcharaktere nicht daran glauben. Wenn aber die Hauptcharaktere daran glauben, dass sie minderwertig sind, ist da schon erst einmal erschreckend.
      Wie gesagt: Bisher konnte ich mir nicht vorstellen, ein Buch zu mögen, dass so extrem ist. Aber es passt einfach alles. (Michael Grant entschuldigt sich übrigens sogar im Nachwort dafür...).

      Die Gone-Reihe kenne ich übrigens gar nicht, ich bin auf Front Lines über die YALC gestoßen und habe es dann zufällig in der Onleihe gefunden. Jetzt freue ich mich unglaublich auf die weiteren Bände :)

      Liebe Grüße,
      Lena, die selbst immer jede Menge Tippfehler macht, die ihr viel zu spät auffallen...

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  2. Das Buch sagt mir leider überhaupt nichts. Auf einer Seite finde ich es nicht schön sowas zu lesen, andererseits ist es heute leider noch so, das viel (rassistisch) geflucht wird. Manche Autoren benutzen solche Wortwahlen im Zusammenhang mit Klischees. Beispielsweise in einem ärmlichen Viertel, wo die Menschen keine Bildung geniessen und deshalb so reden. Ich finde es ist in Ordnung wenn ein Autor solche Dinge schreibt, aber nur wenn es immer als etwas schlechtes dargestellt wird. Der Autor bzw. Die Autorin soll es nicht verherrlichen, sondern aufzeigen wie dumm es ist so zu reden. Verstehst du was ich meine?
    Ein sehr interessantes Thema, über das man stundenlang diskutieren könnte!
    Viele Grüsse
    Julia

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    1. Front Lines spielt im 2. Weltkrieg, allerdings in einem AU in dem in den USA auch Frauen eingezogen werden konnten. (Übrigens sehr gut das Buch, bisher aber nur auf Englisch erschienen) Von der Zeit her passen solche Sprüche deswegen sicherlich, aber es ist eben doch befremdlich es immer und immer wieder zu lesen. Vor allem, weil es kein eindeutiges "Das geht so nicht" gibt. Es wird einfach hingenommen.

      Du hast Recht, man könnte darüber stundenlang diskutieren und am Ende wird trotzdem jeder für sich seine eigene Meinung haben :)

      Liebe Grüße,
      Lena

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  3. Puh, schwieriges Thema ich denke, dass ich da rein gedanklich anders ticke als viele. :)
    Ich bin für Korrektheit und finde es eigentlich auch gut, dass Kinderbücher etwas angepasst werden, weil sich gerade da doch der Baustein legt und manches dann vielleicht zu ernst genommen wird, gerade wenn Eltern dann vielleicht nicht aufklären darüber, dass das so nie hätte sein DÜRFEN und heute schon gar nicht mehr, finde ich es schwierig. Und da ist es mir persönlich man ist zu penibel als gar nicht..
    Aber das ist sicher Ansichtssache, Rassismus und Sexismus sind beides Themen die mir sehr nahegehen und mich rasend wütend machen, von daher komme ich damit nicht wirklich gut klar und halte auch nicht viel davon. Ein Buch das von mir zu viel davon aufweißt und es schon in die feindliche Richtung geht, ist schon mal gar nichts meins. Wenn es thematisch passt in einem historischen Roman bspw. ist es wohl irgendwo wichtig für die Authenzität aber für mich immer noch schwierig wenn ein Buch zu sehr daraus besteht, aber das bin halt ich. :)
    Wenn es aber als klare Botschaft dargestellt wird und nicht als ein Denken, dass es zu brechen gilt, dann verabschiede ich mich davon vollkommen. ;)

    Liebe Grüße
    Svenja

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    1. Huhu Svenja,

      es ist wirklich schwierig, einerseits sollte man - wie du ja anmerkst- wirklich versuchen, Rassimus und Sexismus ganz zu streichen. Andererseits: Mir hat es auch nicht geschadet, das Pippi Langstrumpf eine Negerprinzessin war und die Märchensammlung vor Sexismus nur so wimmelte. Und ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern jemals mit uns darüber geredet hätten, dass so etwas nicht okay ist. Das fiel einfach in die selbe Kategorie wie altmodische Wörter oder "falsche" Rechtschreibung, es war einfach da.
      Danke für deinen Kommentar :)
      Liebe Grüße,
      Lena

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